Geschichte

Die Wurzeln der Orgelbaufirma Jann reichen zurück bis in das Potsdam des Jahres 1948. Dort begann der Firmengründer Georg Jann seine Orgelbaulehre bei Alexander Schuke. Der weitere Weg führte ihn und seine Familie ab 1961 über die Schweiz und Berlin (West) bis nach Regensburg.

Dort übernahm er im Jahre 1974 die alteingesessene Orgelbauwerkstatt Eduard Hirnschrodt im Regensburger Ortsteil Stadtamhof. Schon 1975 wurde in der neuen Werkstätte mit 5 Mitarbeitern das Opus 1 für die Gemeinde Etzelwang fertig gestellt.

Bereits kurze Zeit später erhielt die Firma erste Aufträge für dreimanualige Orgeln mit über 40 Registern. 1980 wurde die erste viermanualige Orgel für die Kirche St. Joseph in Memmingen mit 52 Registern fertig gestellt.

Die gute Auftragslage machte es nötig und möglich, den Betrieb in größere Räumlichkeiten zu verlegen. Im südlich von Regensburg gelegenen Allkofen in der niederbayerischen Gemeinde Laberweinting erwarb Georg Jann große Werkstatträume einer ehemaligen Möbelschreinerei, die um eine großzügige Montagehalle erweitert wurde.

Georg Jann und KMD Dieter Eppelein 1982

Georg Jann und KMD Dieter Eppelein 1982

Hier entstanden bald bedeutende Orgelneubauten, unter anderem 1985 die Orgel für den Dom zu Porto, 1989 drei Orgeln für die Basilika in Waldsassen mit 103 Registern und zwei sechsmanualigen Spieltischen, 1993 die viermanualige Konzertorgel mit 74 Registern für die Bamberger Symphoniker und 1994 zwei Orgeln – darunter die Hauptorgel mit 95 Registern – für den Münchner Dom. So ist die Firma Jann schnell zu einer Orgelbaufirma von Weltruf herangewachsen und in nur 30 Jahren wurden annähernd 280 Orgeln erbaut.

Aufbau der Hauptorgel im Liebfrauendom München 1994

Der heutige Geschäftsführer, Orgelbaumeister Thomas Jann, trat 1986 nach seiner Ausbildung bei Richard Rensch in die Firma ein. Zuvor hatte er von 1983 bis 1986 bei Karl Schuke in Berlin seine Kenntnisse in Metallpfeifenbau und Intonation nachhaltig vertieft.

1990 legte Thomas Jann in Ludwigsburg seine Meisterprüfung ab und übernahm 1995 die Geschäftsführung der väterlichen Firma. 1999 beendete er eine umfangreiche Ausbildung zum Restaurator im Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk. Zudem ernannte ihn die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz im September 1999 zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen.

Unter der Leitung von Thomas Jann wird die Tradition der Firma mit großen Orgelwerken fortgesetzt: So erhielt die Pfarrkirche in Gotteszell bei Deggendorf 1999 eine dreimanualige französisch-symphonische Orgel mit 45 Registern. Für die Stiftspfarrkirche Altötting wurde im Jahr 2000 eine Haupt- und Chororgel mit 49 bzw. 26 Registern erbaut. Seit 2005 erklingt in der Andechser Klosterkirche eine dreimanualige Orgel mit 36 Registern mit einer interessanten Mischung aus spezifisch süddeutschen und romantischen Klangmerkmalen.

Besonders die restaurierte und erweiterte Stahlhuth-Orgel in Düdelingen mit 78 Registern verteilt auf vier Manuale und Pedal erregte 2002 große Bewunderung in der Fachwelt. Sie ist wie kaum ein anderes Instrument regelmäßiger Anziehungspunkt für CD- und DVD-Produktionen. Mehr als 24 Titel sind bereits erschienen und ständig folgen neue Aufnahmen.

Werkstatt mit Spänesilo 1992

Seit 1987 unterhält Orgelbau Jann eine eigene Restaurierungsabteilung, die auf eine Reihe beispielhafter Arbeiten verweisen kann wie z.B. Restaurierungen von Instrumenten der Firmen Steinmeyer, Stieffell, Schwarz, Ehrlich, Edenhofer und Brandenstein.

Werkstattkonzert 1988

Zudem beginnt sich seit geraumer Zeit die Sichtweise auf die lange kritisierten Instrumente aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg zu verändern. Mit der Reparatur der Walcker-Orgel aus dem Jahre 1961 in der Dreifaltigkeitskirche („Altstädter Kirche“) in Erlangen wurde 1995 ein neuer Weg im Umgang mit „unzeitgemäßen“ Instrumenten eingeschlagen. Konsequent wurde dieses Instrument durch Reparatur und behutsamen Umbau erhalten.

Eine Besonderheit stellt sicher die Steinmeyer-Orgel aus dem Jahre 1963 in der evangelischen Stadtkirche St. Andreas, Weißenburg dar. Diese Orgel wurde vor Beginn einer tiefgreifenden Sanierung unter Denkmalschutz gestellt. Auf diese Weise konnte die Firma Jann im Jahr 2006 erneut ihre Kompetenz im verantwortungsvollen und denkmalpflegerischen Umgang mit Instrumenten aus dieser Zeit unter Beweis stellen. Um den gewachsenen klanglichen Ansprüchen gerecht zu werden ohne in die vorhandene denkmalgeschützte Substanz eingreifen zu müssen, wurde die Orgel um ein Auxiliare erweitert.

Im gleichen Jahr konnte mit der Orgel für die Stadtpfarrkirche St. Georg in Neustadt a.d. Waldnaab ein neues Konzept für den Umgang mit klanglich problematischen Orgeln erfolgreich umgesetzt werden. Unter Verwendung eines Großteils der Bestandteile der Vorgängerorgel wurde eine neue Orgel konzipiert, die ebenfalls ein schwellbares Auxiliare und diverse Sub- und Superoktavkoppeln erhielt. Die Besonderheit liegt darin, dass jedes einzelne Register des Auxiliares auf jedem Manual und im Pedal separat registrierbar ist. Auf diese Weise stehen dem Organisten ungeahnte klangliche Möglichkeiten zur Verfügung, ohne dass der Raum klanglich erschlagen wird.

Simon Jann war 2009 mit 21 Jahren einer der jüngsten Schreinermeister Deutschlands. Die Ausbildung zum Orgelbauer konnte er 2011 als Bundessieger abschließen. (Archivbild)

2006 stellte Thomas Jann mit seinen Mitarbeitern erneut ein richtungweisendes Instrument fertig, mit dem er seine Innovationskraft unter Beweis stellte: Die Orgel für die evangelische Kirche St. Marien in Gunzenhausen (III+P/45 Register). Als Besonderheit erhielt sie ein Pedalwerk, das mit elektrischen Einzeltonventilen ausgestattet wurde und so die Verwendung von Extensionen erlaubt, aber geschickt die Nachteile einer Multiplex-Orgel vermeidet.

Die 38 Liter Wein aus Fürstenfeld schafften wir nicht

Neubau, Restaurierung und Erhaltung – mit diesen drei Kompetenzbereichen ist Thomas Jann ein umfassender Gesprächspartner für Pfarreien und weltliche Auftraggeber.

Fernab aller ideologischen Fixierungen steht Orgelbau Jann für handwerklich hochwertigen, klanglich unverwechselbaren, innovativen und kreativen Orgelbau im 21. Jahrhundert.

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